Der dgti-Ergänzungsausweis

16.3.2026 163 Aufrufe Rechtliches

Der dgti-Ergänzungsausweis ist ein standardisiertes, ergänzendes Ausweisdokument, das von der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit e.V. (dgti) herausgegeben wird. Er richtet sich vor allem an trans, inter und nicht-binäre Personen, deren amtliche Ausweispapiere noch nicht mit ihrer geschlechtlichen Identität und ihrem Namen übereinstimmen.

In vielen Alltagssituationen – etwa bei Polizeikontrollen, Behördenbesuchen oder beim Kontakt mit Banken – kommt es vor, dass amtliche Dokumente nicht den aktuellen Namen, das Geschlecht oder das äußere Erscheinungsbild einer Person widerspiegeln. Das kann zu unangenehmen, belastenden oder sogar gefährlichen Situationen führen. Der Ergänzungsausweis soll solche Situationen vermeiden.

Wie funktioniert der Ergänzungsausweis?

Der dgti-Ergänzungsausweis enthält:

  • Von dir selbst gewählte personenbezogene Daten, wie Vorname, Pronomen und Geschlecht
  • Ein aktuelles Passfoto im gewünschten Erscheinungsbild
  • Die Ausweisnummer eines amtlichen Dokuments, z. B. deines Personalausweises (als Referenz)

Wichtig: Der Ergänzungsausweis ersetzt kein amtliches Dokument – er ist nur gültig in Verbindung mit einem offiziellen Ausweis wie dem Personalausweis oder Reisepass. Die Gültigkeit endet automatisch, wenn das amtliche Referenzdokument abläuft.

Wofür ist der Ergänzungsausweis gedacht?

Der Ausweis dient dazu:

Diskriminierung und Missverständnisse im Alltag zu reduzieren Wenn dein offizieller Ausweis nicht zu deinem aktuellen Namen, deinem Geschlecht oder deinem Erscheinungsbild passt, kann das zu unangenehmen und belastenden Situationen führen – etwa bei Kontrollen, bei der Behördenkommunikation oder im Kontakt mit Institutionen. Der Ergänzungsausweis macht deine selbstgewählten Identitätsangaben für Dritte klar erkennbar, ohne dass du sie immer mündlich erklären musst.
Anspruch auf respektvolle Ansprache zu unterstützen Der Ausweis unterstützt deinen Anspruch auf Anrede in deinem bewussten und deklarierten Geschlecht und auf Verwendung deines selbstgewählten Vornamens – auch wenn dein offizielles Dokument dies noch nicht abbildet. Dieser Anspruch ergibt sich z. B. aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (2 BvR 1833/95).
Sichtbarkeit bei Institutionen zu erhöhen Der Ergänzungsausweis ist bei vielen Behörden und Organisationen bekannt und akzeptiert – etwa Innenministerien, Polizei, Versicherungen, Universitäten oder Banken. Für Stellen, die ihn noch nicht kennen, enthält er meist einen QR-Code, der die Funktion des Ausweises erklärt.

Gilt der dgti-Ergänzungsausweis auch nach dem Selbstbestimmungsgesetz?

Ja. Auch nach der Einführung des deutschen Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) bleibt der Ergänzungsausweis weiterhin ein praktisches und sinnvolles Instrument für Menschen, die ihre Identität im Alltag sichtbar machen möchten – sei es, weil sie sich noch nicht zur amtlichen Änderung entschlossen haben oder weil sie in bestimmten Situationen zusätzliche Sicherheit brauchen.

Wo und wie kann man den Ergänzungsausweis beantragen?

Du kannst den Ergänzungsausweis online über die Website der dgti beantragen. Für die Beantragung braucht es in der Regel:

  • ein aktuelles Passfoto
  • die Nummer des amtlichen Ausweisdokuments, mit dem der Ergänzungsausweis verknüpft wird
  • deine gewählten Angaben zu Name, Pronomen und Geschlecht
Fazit: Warum der Ergänzungsausweis wichtig ist

Der dgti-Ergänzungsausweis ist kein amtliches Ersatzdokument, sondern ein Unterstützungswerkzeug, das dazu beiträgt, den Alltag für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen sicherer, respektvoller und diskriminierungsfreier zu gestalten. Er hilft, Missverständnisse zu vermeiden, Belastungen zu reduzieren und deine Identität sichtbar zu machen, bis ein amtlicher Name- und Geschlechtseintrag deiner Identität entspricht – oder auch darüber hinaus.